Liebe Gemeinde, liebe Leserinnen und Leser!
Die Adventszeit hat immer zwei Seiten. Die eine Seite kennen wir gut: Weihnachten wird vorbereitet. Mit Herzen, Mund und Händen. Mit Schmuck, Gebäck und Liedern. Über vier Sonntage steigert sich die Vorfreude und die Bereitschaft, Gott in unserer armen Welt zu empfangen. Festlich ist seine Ankunft in der heiligen Nacht. Gott schließt den Himmel wieder auf. Von innen tut er das, freiwillig. Und wir laufen auf ihn zu.
"Gott spricht: Nur für eine kleine Weile habe ich dich verlassen, doch mit großem Erbarmen hole ich dich heim." (Jesaja 54,7)
Aber gerade darin zeigt sich dann die andere Seite der Adventszeit. Wir blicken in den offenen Himmel. Wir blicken über unsere Zeit hinaus. Noch genauer: Wir blicken über unsere Zeitlichkeit, unsere Vergänglichkeit hinaus. In der Nähe Gottes erkennen wir: Wir werden erlöst werden von allem, was uns bedrängt und fesselt. Wir werden befreit sein von der Knechtschaft des Irdischen. Wie die Erlösten, von denen der Prophet Jesaja erzählt, sollten wir voller Vorfreude singen: „Wir werden Wasser schöpfen voll Freude aus den Quellen des Heils.“ (nach Jesaja 12,3)
Wer also Gott ganz und gar in sein Herz aufnimmt, ist an dieser Quelle angekommen.
Die Adventszeit hat immer zwei Seiten. Beide sind gleich wertvoll. Aber beide haben bei uns leider ein unterschiedliches Gewicht. Die Vorbereitung nimmt überhand. So schön es ist, dass sich Häuser und Städte schmücken – aber das ist nicht der ganze Advent. Denn da ist noch mehr Erwartung als nur die auf ein friedliches Weihnachtsfest. Zutiefst erwarten wir noch mehr: Dass Gott kommt und der ersten Welt ein Ende macht, Gott soll kommen und die Gerechten von den Ungerechten scheiden. Gott soll kommen und die Gedemütigten aufrichten. Gott soll kommen und die Verfolgten schützen und die Verletzten heilen. Gott soll alle seine Güte zeigen. Er soll den Himmel nicht nur öffnen, sondern uns auch hereinholen in seinen Himmel, für immer. Der Himmel soll sich nie wieder schließen. Wir haben Gottes Versprechen vom neuen Himmel. Mehr haben wir noch nicht. Oder doch: Wir haben Jesus. Er hat gezeigt, dass der Himmel Liebe ist. Schon jetzt. Schon auf Erden. Wer Liebe erlebt hat, war schon einmal an den Quellen des Heils. Und kehrt gerne dahin zurück. Darum bitten wir Gott um Liebe. Dass wir sie bekommen – und geben.
In diesem Sinne: Bleiben Sie behütet!
Ihr Pfarrer Andreas Barth
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